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So vermeiden Sie typische Anfängerfehler

Wer seine erste Seite ins Internet bringt, ist meist überwältigt von den vielen Möglichkeiten, die es gibt. Automatisch begeht man dabei in der ersten Begeisterung typische Anfängerfehler. Denn nicht alles, was geht, ist auch sinnvoll und nicht alles, was für einen selbst neu ist, ist auch für einen erfahrenen Internetnutzer neu. Ganz schnell können Sie sich damit ins Aus befördern.

Inhalt:



 

von Jan Tißler

Lustige, bewegte Bilder

Besonders die bewegten Bilder haben es vielen Neulingen angetan. "Animated GIFs" nennt sie der Fachmann und meidet sie wie der Teufel das Weihwasser. Und das hat mehrere Gründe:

  • Der Mensch ist noch aus Urzeiten darauf programmiert, auf jede Bewegung in seinem Blickfeld zu achten. Zum Überleben in der Prärie ist das sehr nützlich. Und ob wir wollen oder nicht: Dieser Drang steckt ganz tief in uns drin. Deshalb zieht jede Animation unweigerlich ihre Blicke auf sich, auch wenn man sich eigentlich gerade auf eine Produktbeschreibung oder ein Angebot konzentrieren will. Wenn Ihnen der Inhalt Ihrer Seite wichtig ist, vermeiden Sie also jede Ablenkung.

  • Die Bilder passen, wenn Sie sie einfach von woanders "entliehen" haben, nicht zum Design Ihrer Seite und Ihrer Firma.

  • Jeder erfahrene Internetnutzer hat in seinem Leben so viele von diesen immer gleichen Bildern gesehen, dass er sofort genervt darauf reagiert. Und sie signalisieren ihm: "Achtung, hier ist ein blutiger Anfänger am Werk!"

Wenn Sie meinen, dass ich übertreibe, können Sie den Rest des Textes auch gern » hier weiterlesen...

Durchlaufende Schriften

Laufschriften gehören ebenfalls zum beliebtesten Unsinn im Internet. Verzichten Sie darauf. Drei Gründe:

  • Ein Internetsurfer steht meist unter Zeitdruck. Entweder sucht er gerade etwas Bestimmtes oder es sitzt ihm einfach der Gebührenzähler im Nacken oder beides. Auf jeden Fall werden sogar normal aufbereitete Texte von der Mehrzahl der Surfer nur "gescannt", d.h. nur jedes zweite Wort wird überhaupt wahrgenommen. Während man den Inhalt eines Absatzes aber wenigstens noch auf einen Blick abschätzen kann, ist man beim Lesen einer Laufschrift dazu verdammt, abzuwarten. Niemand weiß vorher, wieviel Text kommt oder was letztlich drin steht. Deshalb wird sich niemand die Zeit nehmen, das abzuwarten. Alles was Sie in eine Laufschrift schreiben, könnten Sie genausogut auch auf einen Zettel schreiben und neben Ihre Tastatur legen: Der Erfolg wäre etwa derselbe.

  • Viele Laufschriften funktionieren nur unter bestimmten technischen Bedingungen. Alle übrigen Nutzer bekommen sie gar nicht erst zu sehen - höchstens als Fehlermeldung oder kaputtes Layout.

  • Zudem muss oftmals erst eine bestimmte Technik namens "Java" beim Browser gestartet werden, bevor die Laufschrift funktioniert. Das kostet wieder wertvolle Sekunden im Kampf um die ungeduldigen Internetnutzer. Dauert das Laden einer Seite mehr als fünf Sekunden, sind viele Nutzer schon wieder weg, bei zehn Sekunden begrüßen Sie nur noch die ganz Geduldigen auf Ihrer Website.

Gimmicks und Effekte

Jeder, der ein wenig im Internet herumsurft, stößt auf diese kleinen Überflüssigkeiten: Buchstaben, die plötzlich am Mauszeiger hängen oder Bilder, die sich wie eine Wasseroberfläche bewegen. Natürlich ist das für einen Neuling unheimlich spannend, nur eben nicht für Ihren künftigen Kunden. Der will w issen, was Sie können, was Sie anbieten, was es kostet und wie er es bekommen kann. Er will nicht wissen, dass Sie auch so eine Seite entdeckt haben, wo man sich diese Effekte kostenlos herunterladen kann. Er will auch nicht wissen, dass Sie zu den Anfängern im Internet gehören, denen diese nutzlosen Gimmicks noch nicht zu den Ohren herauskommen.

Riesige Bilder

Natürlich sehen große Bilder toll aus. Gerade, wenn Sie ein Produkt haben, das durch sein Äußeres überzeugen muss, Immobilien beispielsweise. Das Problem ist nur, dass Bilder der wichtigste Faktor für die Ladezeiten Ihrer Internetseite sind - und die Ladezeit wiederum ein ganz entscheidendes Kriterium für den Erfolg ist.

Natürlich greifen die schnellen Internetzugänge á la DSL immer mehr um sich und viele Internetnutzer haben im Büro einen entsprechend schnellen Zugang. Aber erstens ist das maximal die Hälfte der Nutzerschaft und zweitens muss auch der Server, auf dem Ihre Seite liegt, das schnell an den Nutzer ausliefern. Und darauf können Sie sich nicht verlassen.

Normale Illustrationen der Seite sollten nicht größer als 10 KB sein, in Ausnahmen auch 20 KB. Wollen Sie ein größeres Bild anbieten, dann setzen Sie eine kleine Vorschau auf die Seite und verlinken die mit der größeren Version. Dann entscheidet sich der Benutzer bewusst für das große Bild und wird dessen Ladezeit sehr viel geduldiger hinnehmen. Ein K.O. für Ihre Webpräsenz ist es aber, wenn Sie ein entsprechend riesiges Bild gleich auf die erste Seite setzen. Das ist nur eine gute Idee, wenn Sie Kunden gezielt vergraulen möchten...

Hintergrundbilder

Besonders auf privaten Homepages sind die Hintergrundbilder zu bewundern: Da scheint die Webseite mit dem Foto eines Sonnenuntergangs tapeziert oder mit Holz vertäfelt zu sein. Schade nur, dass das erstens ausnahmslos unseriös aussieht und zweitens dafür sorgt, dass man im Zweifel nur noch mit Mühe Ihre Texte lesen kann. Und auf die kommt es doch schließlich an, oder?

Übrigens: Der Killer ist ein einziges, riesiges Hintergrundbild. Siehe dazu den vorherigen Punkt "riesige Bilder".

Sie meinen wieder, ich übertreibe? » Dann lesen Sie gern hier weiter...

Alles so schön bunt hier

Nur weil man Millionen von Farben zur Verfügung hat, muss man sie nicht alle auf einer Internetseite unterbringen... Generell gilt: Wenn Ihre Firma Hausfarben hat, und das sollte sie für den Wiedererkennungseffekt haben, dann gehören die auch auf die Website.

Ansonsten wirken solche Entwürfe angenehm, die sich für eine Grundfarbe entschieden haben und dann zur Hervorhebung eine Kontrastfarbe benutzen. Diese Seite hier beispielsweise hat sich für Varianten von Rot und Grau entschieden. In Grün oder Blau ergäbe sich ein völlig anderes Bild.

Bunt ist angesagt, wenn Sie eine Kinderseite machen wollen. Ansonsten schauen Sie sich dahingehend einmal erfolgreiche Internetseiten an und überprüfen Sie dort, wie man mit Farben umgeht.

Aber zu Hause funktioniert das doch alles...

Der Kardinalfehler bei Laien, die Ihre Internetseite zu Hause bauen: Sie testen nur auf ihrem eigenen Computer. Schon beim Einspielen auf den Server lauert die erste böse Überraschung, wenn plötzlich Links nicht mehr funktionieren oder Bilder nicht gefunden werden. Das liegt daran, dass die meisten Server Groß- und Kleinschreibung bei Dateien und Pfadangaben unterscheiden, während Windows das nicht tut. Erster Rat: Schreiben Sie generell alles klein. Und: Benutzen Sie keine Sonderzeichen wie die Umlaute und keine Leerzeichen. Windows mag Ihnen das verzeihen, der Server im schlimmsten Fall nicht.

Aber selbst wenn dann die Seite bei Ihnen korrekt angezeigt wird, muss das längst nicht bei allen Nutzern so sein. Gehen Sie zu Freunden und Kollegen und rufen Sie dort die Seite auf, probieren Sie einmal einen anderen Browser als den von Microsoft mitgelieferten Internet Explorer. Sie werden vielleicht böse Überraschungen erleben.

Tipps zum Weiterlesen

Thomas Wirth: "Missing Links. Über gutes Webdesign."

Autor(en): Thomas Wirth
Art: Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 49,90 (gebraucht ab: EUR 39,90)
März 2004, Hanser Fachbuchverlag

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