Die verschiedenen Ansätze
Wie bekommt man die Nutzer am ehesten dazu, etwas zu bezahlen? Ganz
klar: Man muss es Ihnen so leicht wie möglich
machen. Je mehr Schwellen ich einbaue, desto
größer die Gefahr, dass mein potenzieller Kunde
auf dem Absatz kehrt macht.
Wer häufig verkauft, wird wahrscheinlich einmal über einen Shop und entsprechende Rechnungslegung nachdenken. Wenn es aber nur um einzelne Verkäufe geht, bieten sich Online-Bezahlsysteme an. Auch als zusätzliche Bezahlmethode sind sie eine Überlegung wert.
Erste Schwelle:
Um eine einmalige Anmeldung beim Betreiber
des jeweiligen Abrechnungssystems kommt man
selten herum. Danach sollte das Bezahlen
aber leicht von der Hand gehen.
Es gibt im Wesentlichen drei Wege:
1. Einzugsermächtigung
Ein Beispiel ist hier Firstgate.
Der Kunde meldet sich an und gibt seine Bankdaten
ein. Diese Angaben werden in der Regel im selben
Moment überprüft. Firstgate verspricht, dass
ein Missbrauch "nahezu ausgeschlossen" sei.
Der Kunde hat einen Benutzernamen und ein Passwort
und gibt sich damit künftig zu
erkennen.
In der Praxis sieht das so aus:
- Der Nutzer möchte etwas haben, beispielsweise einen Zeitungsartikel.
Er findet den Link: "Bezahlen über Firstgate"
und klickt darauf.
- Im nächsten Fenster werden ihm noch einmal alle Daten angezeigt,
wichtig ist hier natürlich vor allem der
Preis.
- Er gibt Benutzernamen und Passwort ein.
- Er wird auf den Artikel weitergeleitet und kann ihn lesen.
- Der
Betrag
wird über Firstgate eingezogen. Firstgate
behält seinen Anteil und gibt den Rest an
den Betreiber der Internetseite weiter.
Sicherheitsfaktor für den Nutzer: Er kann die Abbuchung rückgängig
machen, wenn er mit dem Betrag nicht einverstanden
ist.
Firstgate bietet wahlweise aber auch die Bezahlung per Kreditkarte,
Telefonrechnung oder Prepaid-Konto (siehe weiter
unten).
2. Telefonrechnung
Eine andere Möglichkeit, die zudem allen Nutzern bekannt sein
dürfte,
ist die Telefonrechnung.
In der Praxis sieht das z.B. so aus:
- Der Nutzer möchte etwas haben und klickt auf den entsprechenden
Link.
- Er bekommt eine kostenpflichtige Nummer angezeigt, die er nun
anrufen soll.
- Am Telefon bekommt er eine
PIN (Erkennungszahl)
mitgeteilt.
- Diese PIN ist dann an entsprechender Stelle auf der Website
einzugeben.
- Er bekommt den gewünschten Artikel angezeigt.
- Auf der nächsten Telefonrechnung wird der entsprechende Betrag
abgebucht.
Für alle Nutzer
mit einer normalen Telefonleitung ist das in
der Praxis noch etwas umständlicher, als es
jetzt ohnehin schon klingt: Die müssen zunächst
raus aus dem Internet, anrufen, sich danach
wieder einwählen. Die Gefahr, dass es sich der Nutzer
anders überlegt, ist recht hoch. Die zunehmende Verbreitung von ISDN und DSL sollte dies verbessern.
Andere Möglichkeit ist die Abrechnung durch eine Software,
die sich über eine kostenpflichtige Nummer
ins Internet einwählt. Dieses Prozedere ist
als Dialer bekannt.
Dieses Verfahren wurde in der Vergangenheit
missbraucht und hat dadurch einen schlechten
Ruf. Im Prinzip ist es aber eine schnelle und
einfache Möglichkeit, Inhalte zu bezahlen.
Oder aber, der Anbieter arbeitet mit der Deutschen Telekom zusammen und hat vereinbart, dass er wie die meisten alternativen Telefongesellschaften auch, mit der Telefonrechnung abgerechnet wird. Vorteil für den Nutzer: Er muss seine Bankdaten nicht noch einmal angeben.
Auch einer Telefonrechnung kann widersprochen werden. Aus Sicht des
Autors ist das aber aufwändiger, als eine falsche
Abbuchung vom Konto rückgängig zu machen.
Letztlich entscheidend sind aber keine rationalen Argumente, sondern
die Nutzer. Weiter unten wird
noch auf Erfahrungen aus der Praxis eingegangen.
Eine weitere Variante zum Thema Telefon ist die Abrechnung per Premium-SMS. Der Nutzer muss dann eine SMS mit einem bestimmten Inhalt an eine Kurzwahl schicken. Im Gegenzug bekommt er die Zugangsdaten zurückgeschickt. Der Anbieter des Bezahldienstes, die Telefongesellschaft und der Inhalteanbieter teilen die Einnahmen unter sich auf. Diese Methode ist vorteilhaft durch die Hohe Verbreitung von Handys. Allerdings wird die SMS-Funktion hauptsächlich von jungen Nutzern eingesetzt.
3. Prepaid-Karten und -Konten
Gemeint sind Systeme, bei denen man im Vorfeld einen gewissen Betrag
einzahlt, der dann nach und nach verbraucht
wird. Entweder kann die Einzahlung des Betrages
auf ein Kundenkonto erfolgen oder auf den Chip
einer Geldkarte. Bei der Geldkarte braucht
der Nutzer allerdings ein entsprechendes Lesegerät,
damit er es für Online-Bezahlungen einsetzen
kann.
Vorteil aus Sicht des Nutzer ist, dass er keinen generellen Zugriff
auf sein Konto gewähren muss ein höheres Maß
an Kostenkontrolle hat. Andererseits ist es
mit einem gewissen Umstand verbunden, dieses
Konto mit Geld aufzufüllen und es ist zunächst
nicht sicher, wie viel Geld man künftig brauchen
wird. Angeboten wird dies beispielsweise bei PayPal (s. nächste Seite).
Aus der Praxis
Die Stiftung Warentest ist einer der Vorreiter im Internet, wenn es
um bezahlte Inhalte geht. Bereits seit Juli
2000 sammelt man hier Erfahrungen. Um es den
Nutzern so einfach wie möglich zu machen, werden
mehrere Systeme angeboten.
Eine Untersuchung verschiedener Systeme im Vorfeld ergab, dass im
Prinzip die Geldkarte die beste Wahl wäre.
Sie ist allerdings zu wenig akzeptiert und
das notwendige Kartenlesegerät ist zu wenig verbreitet.
Schlecht schnitten die Kreditkarte und das elektronische
Lastschriftverfahren ab. Beides lohnt sich
für kleinere Beträge (bis 2,50 Euro) nicht.
Man entschied sich für die Abrechnung per Telefonrechnung und kurz
darauf zusätzlich für Firstgate. Insgesamt
sieht die Stiftung Warentest ihre Erfahrungen mit Micropayment
als Erfolg. Als wichtigste Faktoren sieht sie
unter anderem die Bekanntheit der eigenen Marke und die hohe
Zahl an kostenlosen Artikeln.
Es wurde nicht das gesamte Angebot kostenpflichtig,
sondern nur bestimmte Teile daraus. Ähnlich handhaben
es einige Zeitungen und Zeitschriften, die
beispielswweise nur für das Lesen älterer Artikel Geld verlangen,
ansonsten aber eine komplette Internetseite
mit Nachrichten, Service usw. bieten.
Nachteile aus der Sicht eines Homepage-Betreibers
Wichtigster Nachteil eines Bezahlsystems wie Firstgate sind die
hohen Provisionen, die verlangt werden. Die
monatliche Grundgebühr ist mit fünf Euro sehr
niedrig, aber dann gehen bis zu 35 Prozent
des Verkaufspreises weg an den Anbieter des
Bezahlsystems. Die Höhe der Provision staffelt
sich bei Firstgate nach dem Umsatz, der insgesamt
erzielt wird. Das ist natürlich ärgerlich.
Allerdings muss man zugeben, dass es sich kaum
ein Websitebetreiber leisten könnte, ein solches
System für so kleine Beträge selbst zu programmieren
oder einzukaufen. Es würde sich nie amortisieren.
Wenn man über Firstgate mindestens 8,34 Euro
Umsatz im Monat macht, hat man hingegen den
break-even schon erreicht.
Vorteile
- Ohne eigenen Aufwand kann man den Nutzern ein sicheres und professionelles
Zahlungssystem anbieten.
- Kaum laufende Kosten durch den geringen monatlichen Betrag.
- Inkasso und das gesamte Handling der Kunden übernimmt Firstgate.
Wie man es umsetzt
Nach der Registrierung bei Firstgate kann man Dateien, Seiten oder Verzeichnisse
festlegen, die ab sofort kostenpflichtig sein
sollen. Man stellt den Preis ein und ob es für Neukunden
einen Bonus geben soll, ein so genanntes Schnupperangebot.
Auf diese Weise erleichtert man es den Nutzern,
die Minuten in eine Anmeldung bei Firstgate zu
investieren. Schließlich bekommen sie dafür einen ansonsten
kostenpflichtigen Artikel gratis oder jedenfalls günstiger. Als letztes legt man fest, wie lange die Datei, die Seiten oder das Verzeichnis für den Nutzer freigeschaltet bleiben soll. Auf diese Weise könnte man also auch ein Abo-Modell realisieren, in dem man bestimmte Bereiche wochen- oder monatsweise freigibt.
Danach bekommt man als Betreiber Links angezeigt, die man dann entsprechend
in das eigene Angebot integrieren muss.
Das war's schon. In einem Administrationsbereich kann man nun einsehen, ob und was über diese Links gekauft und bezahlt wurde. Die Abrechnungen darüber sind detailliert und recht übersichtlich. Die Daten des Kunden bekommt man leider nicht zu sehen, darum muss sich der Website-Betreiber selbst kümmern. Aus der Sicht des Kunden und des Datenschutzes gut, für den Verkäufer nicht optimal. Derzeit wird außerdem kein Statistiktool angeboten, mit dem man beispielsweise sehen könnte, wie oft die Bestellseite im Schnitt aufgerufen wird, bis ein Kauf erfolgt. Auch um diese Zahlen muss man sich als Betreiber selbst kümmern. Ob es Verkaufsabbrüche gegeben hat, wird man allerdings leider nie herausfinden...
Ein aufstrebender Konkurrent: PayPal
PayPal ist eine Tochterfirma der führenden Auktionsplattform eBay. Entsprechend schnell verbreitet es sich in dieser Zielgruppe. Die Einstiegshürden sind zudem minimal: Nur eine Anmeldung ist erforderlich, für die Nutzung fallen zunächst keine Gebühren an. Zahlungen sind derzeit generell kostenlos, für den Käufer also eine attraktive Sache. Die zentrale Angabe bei PayPal ist die eigene Mailadresse. Anhand derer werden die Nutzer voneinander unterschieden. PayPal verhält sich während des Bezahlvorgangs wie ein Vermittler. Man kann per Überweisung bezahlen, per Kreditkarte oder als "Sofortzahlung" von seinem Guthaben bei PayPal. Seit einiger Zeit kann der Kunde den fraglichen Betrag auch von seinem Konto einziehen lassen. Will man Überweisungen und Sofortzahlungen empfangen, geht das schon mit dem kostenloses Account und ohne jede Gebühren. Will jemand per Kreditkarte bezahlen, muss man als Empfänger mindestens das Premiumkonto haben, wodurch bei den Transaktionen Gebühren abgezogen werden. Aber auch hier fällt derzeit keine Grundgebühr an, so dass man kein Risiko eingeht.
Besonders vorteilhaft ist PayPal, sobald man über eBay Waren verkauft, denn der Bezahlvorgang ist inzwischen komplett in eBay integriert. So sieht man auf der eigenen Übersichtsseite, ob das Geld eingegangen ist. Weiterer Vorteil: Zahlungen aus dem Ausland sind so einfach wie jede andere auch. Das erleichtert den Umgang mit internationalen Kunden. Nur für den Empfänger des Geldes sind die Gebühren andere.
Tipps zum Weiterlesen
Artikel aus dem Weblog von Internet optimal nutzen zum Thema "Online Geld verdienen":
Stand des Artikels: Dezember 2005
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